Tag 36: „Helsinki is Hell“

Hallo und herzlich Willkommen zum letzten Tag in Finnland! Für das Finale hatte ich mir die Hauptstadt Helsinki aufgespart. Diese präsentierte sich mir bei strahlendem Sonnenschein, aber auch einem tückischen, eisigen Wind. Ich hatte mir vorgenommen, die Stadt mit dem Fahrrad zu erkunden, um auch in etwas entlegenere Ecken vordringen zu können. Dieses klappte zunächst sehr gut, doch dann ereilte mich das Schicksal des gummibereiften Verkehrsteilnehmers… Mehr davon im folgenden Bericht, bei dessen Lektüre ich wie immer viel Spaß wünsche!

Heutige Route:
Turku – Helsinki

Gefahrene Kilometer:
194 (total: 14.099)

Heute sollte es von der ehemaligen in die aktuelle Hauptstadt Finnlands gehen, also nach Helsinki. Am Abend zuvor hatte ich herausgefunden, dass mein Zug glücklicherweise zu den wenigen am Tag gehörte, die bereits im Hafenbahnhof von Turku beginnen, welcher nur wenige hundert Meter vom Liegeplatz der S/S Bore entfernt lag. Dies ersparte mir den kilometerlangen Marsch zurück in die Stadt und somit konnte ich mir etwas mehr Zeit beim Frühstück lassen. Letzteres war heute nach längerem mal wieder im Zimmerpreis enthalten. Nachdem ich bei dem einfach gehaltenen Frühstücksbuffet ordentlich zugelangt hatte, eilte ich um kurz vor acht zu besagter Bahnstation am Hafen namens Turku satama bzw. Åbo hamn. Auf dem Weg konnte ich noch einige Schnappschüsse von der Burg Turku machen, welche sich allerdings etwas scheu und unfotogen hinter Bäumen verbarg. Mein Zug wartete bereits am Bahnsteig und bald begann eine etwas über zweistündige Fahrt, die genau ausreichte, um den vorletzten Blogeintrag fertigzustellen. Die Landschaft unterwegs war hauptsächlich landwirtschaftlich gepägt und wies hier und da ein paar sanfte Wellen auf.

Tag 36: Abfahrt aus Turku Tag 36: Abfahrt aus Turku Tag 36: Abfahrt aus Turku Tag 36: Abfahrt aus Turku Tag 36: Abfahrt aus Turku

Bereits gegen halb elf kam ich in Helsinki an, ich hatte nun also beinahe einen ganzen Tag für die Besichtigung der Stadt. Zunächst nahm ich mir noch einmal den nach wie vor imposanten Bahnhof genauer vor, den ich ja bereits am Donnerstag beim Umstieg in Richtung Lahti kurz kennenlernen durfte. Besonderer Hingucker sind die steinernen „Schutzheiligen“ neben dem Haupteingang, die auch als Maskottchen der VR dienen und in diversen Plakatwerbungen auftreten.

Tag 36: Ankunft in Helsinki Tag 36: Ankunft in Helsinki Tag 36: Ankunft in Helsinki Tag 36: Ankunft in Helsinki Tag 36: Ankunft in Helsinki Tag 36: Ankunft in Helsinki

Anschließend machte ich mich auf zu meiner Unterkunft. Der Weg führte mich bereits an zwei Hauptsehenswürdigkeiten Helsinkis vorbei, nämlich dem „weißen“ Dom und der orthodoxen Uspenski-Kathedrale. Nach etwa zwanzig Minuten erreichte ich schließlich das Eurohostel, gelegen im halbinselförmigen Stadtteil Katajanokka und in unmittelbarer Nähe zum Fährterminal der Viking-Line, von dem mein Schiff nach Tallinn morgen in See stechen sollte. Trotz der frühen Stunde konnte ich bereits einchecken und erhielt ein Zweibett-Zimmer. Das andere Bett war bereits belegt, mein Mitbewohner allerdings ausgeflogen.

Tag 36: Auf dem Weg zum Hostel Tag 36: Auf dem Weg zum Hostel Tag 36: Auf dem Weg zum Hostel Tag 36: Auf dem Weg zum HostelTag 36: Auf dem Weg zum Hostel

Bereits im Zug hatte ich den Plan gefasst, Helsinki mit dem Fahrrad zu erkunden. Auf zwei Rädern hat man naturgemäß einen deutlich größeren Aktionsradius und vertrödelt nicht so viel Zeit mit langen Laufstrecken. Außerdem lud der blaue Himmel geradezu zur Bewegung an der frischen Luft ein. Ein Fahrradverleih fand sich direkt um die Ecke von meiner Herberge und so fand ich mich zur Mittagsstunde auf einem kleinen, babyblauen Single-Speed-Rad wieder, welches mir nun für erschwingliche 10 EUR bis um sechs Uhr zur Verfügung stand.

Meine erste Runde führte mich zunächst an den Stadthafen, wo ich den Marktplatz und die Markthalle erkundete. Letztere lud mit allerhand Leckereien zum Mittagsmahl ein, jedoch waren die Preise touristisch-saftig. Daher radelte ich zunächst mit leerem Magen weiter entlang der doppelten Prachtstraße Esplanadi und legte den nächsten Stopp am altehrwürdigen Kaufhaus Stockmann ein. Dort schlenderte ich einige Zeit durch die riesige Feinkost-Abteilung im Tiefgeschoss und deckte mich mit ein paar Kleinigkeiten für die Mittagspause ein. Diese legte ich an der innenstädischen Bucht Töölönlahti ein, welche allerdings nur durch einen schmalen Kanal mit dem Meer verbunden ist und daher eher wie ein See wirkt. Dort verbrachte ich einige Zeit auf einer Bank und ließ mir die Sonne auf den Pelz scheinen. Allerdings wehte ein ziemlich starker und eisiger Wind, der mich, und vor allem meine Hände, ganz schön frieren ließ. Und das, obwohl ich den Winter doch eigentlich schon für beendet erklärt hatte…! Nach der Pause führte mich mein Weg in den Westen der Stadt. Hier kam ich an einem weiteren Hafenbecken sowie den parkähnlichen Anlagen rund um den Friedhof Hietaniemi vorbei.

Tag 36: Stadterkundung mit dem Fahrrad Tag 36: Stadterkundung mit dem Fahrrad Tag 36: Stadterkundung mit dem Fahrrad Tag 36: Stadterkundung mit dem Fahrrad Tag 36: Stadterkundung mit dem Fahrrad Tag 36: Stadterkundung mit dem Fahrrad Tag 36: Stadterkundung mit dem Fahrrad Tag 36: Stadterkundung mit dem Fahrrad Tag 36: Stadterkundung mit dem Fahrrad Tag 36: Stadterkundung mit dem Fahrrad

Anders als es der Titel vermuten lässt (dazu später mehr) hatte mir Helsinki bis hierhin eigentlich ganz gut gefallen. Tja, und dann – ich war gerade auf dem Rückweg in Richtung Zentrum – passierte es: Es macht laut Pfffffft und binnen einer Sekunde war mein Hinterrad total platt! Na klasse, nach kaum mehr als zwei Stunden Fahrvergnügen hatte sich mein Fortbewegungsmittel zu einem Klotz am Bein verwandelt. Natürlich war die Verleihstelle mehrere Kilometer entfernt, so dass sich ein Fahrradtausch nicht mehr lohnte. Innerlich wild fluchend stapfte ich den Drahtesel neben mir herschiebend in Richtung Bahnhof und hatte spontan die Lust auf Helsinki verloren…

Um mich etwas zu beruhigen, ging ich erstmal auf Tauchstation und schaute mir die U-Bahn an. Wieder oben angekommen sah die Welt schon wieder etwas besser aus und ich nahm das Häuserensemble östlich des Haupbahnhofes samt Eislaufbahn in Augenschein. Anschließend kehrte ich in das hippe Café Paulig ein, welches mit Barista-Kultur warb. Der Cappuccino war allerdings eher mittelmäßig im Geschmack und handwerklich verbesserungswürdig, die riesige Zimtschnecke dazu deutlich zu trocken. Meiner Meinung nach mehr Schein als Sein also, aber vermutlich darf man kulinarisch in dieser Ecke Europas einfach nicht mehr erwarten.

Tag 36: Nach dem Bicycle-Breakdown Tag 36: Nach dem Bicycle-Breakdown Tag 36: Nach dem Bicycle-Breakdown Tag 36: Nach dem Bicycle-Breakdown Tag 36: Nach dem Bicycle-Breakdown

Auf dem Rückweg in Richtung Fahrradverleih und Herberge stand nun noch die Besichtigung des Doms auf der Agenda. Von außen wirkt dieser durch seine erhöhte Lage wirklich sehr imposant und ist das dominierende Gebäude weit und breit. Im Innenraum dann jedoch die Überraschung: Dieser ist nicht nur sehr schlicht gehalten, sondern kam mir verglichen mit der wuchtigen Außenwirkung regelrecht klein vor. Vielleicht liegt das aber auch an der für eine Kirche ungewöhnlichen quadratischen Grundfläche. Nach der Dombesichtigung schob ich zurück nach Katajanokka und lichtete dabei nochmal den „Konkurrenzbetrieb“ der orthodoxen Fraktion ab, sowie das Finnair Skywheel genannte Riesenrad am Südhafen.

Tag 36: Dombesichtigung und Nachhauseweg Tag 36: Dombesichtigung und Nachhauseweg Tag 36: Dombesichtigung und Nachhauseweg Tag 36: Dombesichtigung und Nachhauseweg Tag 36: Dombesichtigung und Nachhauseweg Tag 36: Dombesichtigung und Nachhauseweg

Bei der Rückgabe des Rades wurde großes Bedauern über den Platten ausgedrückt, dabei blieb es aber auch. Nun gut, der Vermieter kann ja auch nichts dafür, wenn ich durch eine Scherbe oder was auch immer fahre – jedenfalls solange das Rad in technisch einwandfreiem Zustand ist, wovon ich jetzt mal ausgehe. Zurück in der Jugendherberge fasste ich nach langem Hin- und Herüberlegen den Entschluss, die Waschmaschine samt Trockner für meine schmutzige Wäsche zu benutzen. An sich war das natürlich eine gute Sache, band mich aber für eine gewisse Zeit an die Unterkunft. Ein Teil der Wartezeit nutzte ich für eine ausgiebige Dusche. Mittlerweile war auch mein Mitbewohner eingetroffen. Ich vermute ein Koreaner, außer „Hi“ sprach er allerdings nicht. Nach der Wäsche lernte ich ein mir bislang unbekanntes Device kennen, nämlich eine Wäschezentrifuge. Als diese und anschließend noch der Trockner seine Dienste verrichtet hatte, war der Waschtag beendet und ich hungrig.

 

Tag 36: Waschen und Essen im Hostel

An meinem letzten Abend in (Fenno-)Skandinavien wollte ich mir etwas gönnen und ein Restaurant aufsuchen. Da ich aber keine Lust hatte auf eine ewige Suche in der Stadt, kehrte ich kurzerhand in das Bistro ein, welches sich im Untergeschoss der Jugendherberge befand. Dort war nichts los und ich fand ein abgelegenes Plätzchen, wo ich in Ruhe ein wenig am Laptop arbeiten konnte. Ohne große Erwartungen bestellte ich mir eine vegetarische Pizza. Dabei fiel mir allerdings schon wohlwollend die sehr klein gehaltene Karte auf. Tja, und was dann kam war das mit Abstand beste Essen meiner bisherigen Reise: Eine absolut phänomenale Pizza mit hauchdünnem, flammkuchenesken Boden, wie ich ihn liebe, einem sehr schmackhaften Belag aus gegrilltem Gemüse und einem charaktervollen Käse – hier war ein Profi am Werk, der etwas von seinem Handwerk verstand! Zum Abschied doch noch einmal gut gegessen im hohen Norden – das stimmte versöhnlich (über den misslungenen Espresso zum Nachtisch wollen wir einmal hinwegsehen)!

Tag 36: Waschen und Essen im Hostel

Nachdem ich meine ehrliche Begeisterung über das Essen bei der Bedienung kundgetan hatte – die sichtlich erfreut war über so ein überschwängliches Lob – machte ich noch einmal auf in Richtung Bahnhof. Zum einen hatte ich vor ein paar Nachtaufnahmen von Helsinki zu machen, zum anderen wollte ich den 24-Stunden-Supermarkt probieren, von dem mir Ohto im Nachtzug von Rovaniemi stolz erzählt hatte. Nachdem der Fotodurst gestillt und die Mitternachtseinkäufe erledigt waren, kehrte ich müde in die Jugendherberge zurück, wo ich bald darauf in einen tiefen Schlaf fiel. Am nächsten Morgen würde ich ausnahmsweise mal ein wenig länger schlafen können, mein Schiff sollte nämlich erst am späten Vormittag ablegen. Für heute aber verabschiede ich mich nun und sage Tschüss und bis bald!

Tag 36: Nächtlicher Gang durch Helsinki Tag 36: Nächtlicher Gang durch Helsinki Tag 36: Nächtlicher Gang durch Helsinki Tag 36: Nächtlicher Gang durch Helsinki Tag 36: Nächtlicher Gang durch Helsinki

Ach ja, was es nun mit dem Titel auf sich hat? Ganz einfach: Das ist eine kleine Reminizenz an die finnische Pop-Sensation R.I.P. Uli aus dem Jahr 1999 und mein persönlicher Helsinki-Ohrwurm. Wie, kennt ihr nicht? Hier gucken…this is Finnish, but not the end!

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