Tag 28: Super-Sonntag mit Sonne, Ski und Saariselkä

Hallo und herzlich Willkommen zum 28. Tag meiner kleinen, lustigen Reise durch den Norden! Heute, Sonntag, erlebte ich einen traumhaften Wintertag in Lappland, der schlicht und ergreifend als perfekt beschrieben werden kann. Daher wechsle ich kurzzeitig wieder in das alte Berichtsformat, zumal heute auch einen kleiner Ausflug auf dem Programm stand, der ein Update des Kilometerstandes erfordert. Wie immer gilt: Viel Spaß beim Lesen und – heute ganz besonders – beim Betrachten der Fotos!

Heutige Route:
Tankavaara – (Auto) – Saariselkä – (Bus) – Tankavaara

Gefahrene Kilometer:
66 (total: 10.317)

Da meine Hüttenwoche ja ganz im Zeichen der Erholung steht, ließ ich es an den letzten Tagen morgens immer recht ruhig angehen. Die zurückliegenden dreieinhalb Wochen rastloser Reiserei haben doch einiges an Kraft gekostet, worauf mein Körper durch ein erhöhtes Schlafbedüftnis reagiert. Heute jedoch sollte es mal wieder früh losgehen, denn ich hatte einiges vor. Der Wecker klingelte um kurz vor sieben und ich stiefelte noch etwas verschlafen zur Gemeinschaftsküche, um meinen Frühstückkram zu holen. Dabei fiel mir auf: Ui, ganz schön kalt heute! Gestern, kurz vor dem Einschlafen, hatte ich schon etwas ungläubig auf mein Handy gestarrt, als dieses eine aktuelle Temperatur von -25 °C verkündete. An den Tagen zuvor war es relatativ konstant etwa zehn Grad wärmer gewesen, was sich stets recht gut aushalten ließ. Der Temperatursturz war wohl dadurch zu erklären, dass es gestern nach meiner Bergbesteigung erstmal aufklarte und damit eine sternklare, eisige Nacht bevorstand. Eigentlich ideale Bedingungen für Polarlichter, sollte man meinen! Nur leider macht die Sonne gerade Pause und die magnetische Aktivität ist denkbar schwach. Aber dies ist eine andere Geschichte…

Zurück zum heutigen Morgen. Nach dem Frühstück schmiss ich mich in meine dicksten Sachen und stiefelte los in Richtung Aurora-Trail. Ich hatte heute nicht viel Zeit, denn ich wollte am späten Vormittag den Bus nach Saariselkä erwischen. Also zog ich das Tempo an. Dies hatte auch den Hintergrund, dass ich dachte, durch körperliche Anstrengung vielleicht dem Erfrierungstod entkommen zu können – immerhin zeigte das Thermometer direkt am Haus noch eine Temperatur von -21 °C, und wer wusste schon, wie es im freien Feld sein würde! Die Befürchtungen erwiesen sich aber als ungerechtfertigt, denn die Kälte ließ sich erstaunlich gut ertragen. Auch an den Füßen habe ich selbst im Schnee keine größeren Probleme mehr, seitdem ich mir nach dem Kälteinferno in Jukkasjärvi doch noch ein Paar dünne Liner-Socken zugelegt habe. Diese trage ich nun stets als Basisschicht unter den dicken Wollsocken (ja, natürlich hatte der Outdoor-Mensch in Stockholm in dem Punkt Recht…).

Tja, und was soll ich sagen: Das frühe Aufstehen hatte sich mehr als gelohnt, denn das Wetter an diesem Morgen war einfach phantastisch! Zum ersten Mal seit meiner Ankunft in Tankavaara hatten wir Himmel. Da sehen die Fotos doch gleich um Welten besser aus! Diese möchte ich euch nicht weiter vorenthalten, hier kommt eine kleine Auswahl an Impressionen vom Winterwunderland am Super-Sonntag in Finnisch-Lappland – viel Spaß!

Tag 28: Sonne satt auf dem Aurora-Trail Tag 28: Sonne satt auf dem Aurora-Trail Tag 28: Sonne satt auf dem Aurora-Trail Tag 28: Sonne satt auf dem Aurora-Trail Tag 28: Sonne satt auf dem Aurora-Trail Tag 28: Sonne satt auf dem Aurora-Trail Tag 28: Sonne satt auf dem Aurora-Trail Tag 28: Sonne satt auf dem Aurora-Trail

Unterwegs traf ich Jens, Hauptschullehrer aus dem Bayerischen Wald. Er war auf Langlaufskiern unterwegs und ebenfalls früh aufgestanden, um das herrliche Wetter zu genießen. Wir gingen ein Stück zusammen und unterhielten uns angeregt, was auch ein wenig von der Kälte ablenkte. Abgesehen von den Hundeschlitten am ersten Tag war dies überhaupt die erste Begegnung die ich auf dem Aurora-Trail hatte. Jens reiste heute weiter in Richtung russische Grenze und bot mir an, mich bis Saariselkä mitzunehmen. Super Sache, machte mich dies doch ein Stück unabhängiger von den spärlichen Busfahrplänen! Im Gegenzug empfahl ich ihm den Abstecher auf den Jorpulipää. Er war für diesen Tipp sehr dankbar und wollte den Aufstieg mit seinen Skiern wagen. Somit trennten sich vorerst unsere Wege und wir verabredeten uns um die Mittagszeit im Restaurant.

Dort schwärmte er später von der – bei diesem Wetter – phänomenalen Aussicht und ich war ein bisschen neidisch, da ich gestern ja leider nur recht durchwachsene Bedingungen hatte. Ich nahm mir vor, es an einem der nächsten Tage nochmal zu probieren, vielleicht hatte ich ja dann mehr Glück. Jens verkündete mir dann, dass er vor der Abreise spontan noch einen Crash-Kurs im Goldwaschen machen wollte. Ich hingegen könne ja solange mal seine Langlauf-Ski ausprobieren. Das ließ ich mir natürlich nicht zweimal sagen, denn den Langlauf mal zu testen stand ohnehin auf meiner Vorhabensliste. Wie der Zufall so spielt hatte Jens auch noch genau meine Schuhgröße und so fand ich mich ehe ich mich versah auf den dünnen Latten wieder. Die ersten Schritte klappten erstaunlich gut und machten Lust auf mehr. So gondelte ich etwa eine Stunde das Tankavaara Gold Village auf und ab. Einzig die Kurventechnik in der Abfahrt blieb mir schleierhaft, schließlich verfügen Langlauf-Ski in Gegensatz zu ihren alpinen Pendants ja über keine Kanten.

Tag 28: Erste Langlauf-Stunde

Nachdem wir unsere jeweiligen Schnupperkurse beendet hatten, machten wir uns in Jens‘ Mitwagen auf in den etwa 30 km entfernten Skiort Saariselkä, in welchem sich der nächstgelegene Supermarkt befindet. Auf der Fahrt unterhielten wir uns über das Wissenschaftssystem und insbesondere die zweifelhafte Praxis der Wissenschaftsverlage. Dabei fielen mir zweierlei Dinge auf: Erstens, wie weit weg diese Welt mir mittlerweile erschien, und zweitens, wie wenig Lust ich (noch) hatte, in sie zurückzukehren.

In Saariselkä verabschiedeten wir uns, denn Jens wollte angesichts der vorgerückten Stunde direkt weiter in Richtung Ivalo, von wo es dann in Richtung Osten gehen sollte. Ich machte mich auf, den Ort zu erkunden, welcher mit seinen dichten Netz an Langlauf-Loipen und seinen Abfahrtspisten zu Finnlands bekanntesten Skidestinationen zählt. Zu meiner Freude gab es darüber hinaus auch eine Menge Winterwanderwege und ich probierte einen etwa 5 km langen Rundweg. Leider waren mittlerweile Wolken aufgezogen, so dass ich mich auf ein paar wenige Fotos mit rein dokumentarischen Charakter beschränke. Unterwegs kam ich an dem so bezeichneten Aurora-Haus vorbei, von dessen Balkon man sicherlich einen tollen Ausblick auf das Naturschauspiel hat – so es denn stattfindet!

Tag 28: Spaziergang in Saariselkä Tag 28: Spaziergang in Saariselkä Tag 28: Spaziergang in Saariselkä Tag 28: Spaziergang in Saariselkä

Nach dem Spaziergang kehrte ich in den besagten Supermarkt ein und machte ein paar Ergänzungskäufe. Anschließend fuhr ich mit dem Bus nach Hause, wo ich den Abend gemütlich bei einem Bierchen ausklingen ließ und mich noch ein bisschen mit der Reiseplanung der noch folgenden eineinhalb Wochen auseinandersetzte. Damit sage ich Tschüss für heute und bis bald! Zum Abschluss noch zwei Abendfotos aus Saariselkä.

Tag 28: Abend in Saariselkä Tag 28: Abend in Saariselkä

4 Gedanken zu „Tag 28: Super-Sonntag mit Sonne, Ski und Saariselkä

  • 27. Februar 2017 um 23:22
    Permalink

    Hallo Sebastian,

    vorweg: Bringst du bitte Rudolf & Rudolfine mit! 😆 Die 2 sind ja wohl mehr als süß!

    Hach, wie ich doch deinen Blog mit den spannenden Berichten und traumhaften Winterbildern liebe! Da werde ich doch direkt neidisch, wenn ich den vielen vielen Schnee und die Natur so sehe.
    Schön, dass du auf deiner Reise immer wieder interessante Leute kennenlernst, so dass du dich hoffentlich in deiner Winteridylle nie einsam fühlst.

    Vielen Dank für Karte Nr. 2, die bereits Freitag in meinen Postkasten geflattert kam. 😊

    Gute Nacht und bis morgen 😉
    Katharina

    Antworten
    • 28. Februar 2017 um 0:01
      Permalink

      Hallo ins Läppländle,
      ich kann mich meiner Vorrednerin nur anschließen und hätte es besser nicht ausdrücken können! Allerdings weiß ich nicht, ob Rudolf & Rudolfine bei den hier herrschenden 10 Plusgraden nicht doch den Hitzetod erleiden…
      Alles Gute und liebe Grüße in den hohen Norden
      CA

      Antworten
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