Tag 08: 934, 935, 936…Willkommen im Winterparadies Lillyhammer!

Hallo und willkommen zum achten Tag. Nun bin ich schon seit einer Woche unterwegs – wow! Nachdem gestern in Ålesund fast Frühlingsgefühle aufgekommen sind, hat sich heute mein Freund, der Winter, zurückgemeldet. Nach einer entspannten Fahrt mit Bus und Bahn fand ich mich in einer zauberhaften Schneelandschaft in Lillehammer wieder.

Heutige Route:
Ålesund – (Bus) – Åndalsnes – Dombås – Lillehammer

Gefahrene Kilometer:
381 (total: 4.855)

Um die Frühverbindung nach Lillehammer zu erreichen, musste ich bereits um 07:05 Uhr am Busbahnhof in Ålesund stehen. Das hieß früh aufstehen – verdammt früh, nämlich gegen halb sechs. Da ich aber gestern brav war und einigermaßen pünktlich ins Bett gekommen bin, hat das gut geklappt. Die Busfahrt verlief diesmal deutlich entspannter. Ich setzte mich in die erste Reihe und konnte der abwechslungsreichen Fahrt durch die Morgendämmerung sogar Positives abgewinnen. Nachdem wir mit etwa 10 Minuten Verspätung losgefahren waren, kamen wir fast pünktlich an der Endstation in Åndalsnes an – und das obwohl wir mitten auf der Fahrt noch auf dem Betriebshof gerollt sind, um den Fahrer zu wechseln.

Tag 08: Busfahrt nach Åndalsnes Tag 08: Busfahrt nach Åndalsnes Tag 08: Busfahrt nach Åndalsnes Tag 08: Busfahrt nach Åndalsnes Tag 08: Busfahrt nach ÅndalsnesTag 08: Busfahrt nach Åndalsnes

Am Bahnhof wartete schon der bekannte Triebwagen, der uns über die Raumabahn wieder nach Dombås bringen sollte. Bis zur Abfahrt war noch etwas Zeit und so ging ich, nachdem ich meinen Rucksack im Zug doponiert hatte, nochmal runter zum Hafen und ließ mir den Wind um die Nase wehen. Bei Abfahrt war der Zug wieder nur recht mäßig ausgelastet und ich fand entspannt einen Platz in Fahrtrichtung und auf der Seite mit der besseren Aussicht (rechts). Auf dem Weg zum Kaffeeautomaten fiel mir ein kleines Heftchen in die Hände, welches – wohl hauptsächlich für die Sommertouristen – die Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke erklärte. Derart präpariert versuchte ich die Strecke diesmal bewusster wahrzunehmen und mir gefiel sie auch gleich viel besser als auf der Hinfahrt. Ich erfuhr, dass Bjorli – der wichtigste Zwischenhalt an der Raumabahn – als schneesicherster Ort in Norwegen gilt, mit einer Skisaison von sechs Monaten im Jahr. Und tatsächlich türmte sich in diesem Bereich der Strecke der Schnee mindestens einen Meter hoch, wie man anhand der Fräskanten neben den Gleisen gut erkennen konnte.

Tag 08: Auf der Raumabahn Tag 08: Auf der Raumabahn Tag 08: Auf der Raumabahn Tag 08: Auf der Raumabahn Tag 08: Auf der Raumabahn Tag 08: Auf der Raumabahn

Wir kamen pünktlich in Dombås an, so dass der 5-Minuten-Übergang auf den Regiontog in Richtung Oslo kein Problem war. Zielgerichtet bestieg ich wieder den letzten Wagen, der diesmal bis auf zwei Fahrgäste fast komplett leer war. Die Bedenken, die ich anfänglich wegen der fehlenden Reservierungen hatte, erschienen mir immer absurder… Es folgte nun der erste und einzige neue Bahnabschnitt des Tages für mich, nämlich der mittlere Teil der Dovrebanen. Dieser führt durch das Gudbrandsdalen, mit über 300 km Norwegens längstes Tal. Unterwegs wurde es immer winterlicher und es begann bei Temperaturen um den Gefrierpunkt leicht zu schneien. Scheinbar sollte ich einen perfekten Wintertag für meinen Aufenthalt in dieser Gegend erwischt haben!

Tag 08: Auf der Dovrebahn  Tag 08: Auf der Dovrebahn Tag 08: Auf der Dovrebahn Tag 08: Auf der Dovrebahn Tag 08: Auf der Dovrebahn Tag 08: Auf der Dovrebahn

Um kurz nach eins kamen wir schließlich an meinem heutigen Ziel- und Endbahnhof Lillehammer an. Und das mit einer Verspätung von etwa einer Viertelstunde – Skandal! Grund dafür waren wohl die bekannten Störungen im Betriebsablauf, jedenfalls kamen wir auf freier Strecke mehrmals ungeplant zum Stehen. Mir war es egal, ich hatte ja schließlich keinen Anschlusszug mehr zu erreichen. Meine Unterkunft in Lillehammer, das örtliche Vandrerhjem, war ideal gelegen, nämlich im alten Stationsgebäude des Bahnhofes. Somit dauerte es vom ersten Schritt auf den Bahnsteig bis zum Check-in gerade mal fünf Minuten. Ich musste feststellen, dass ich diesmal nicht alleine bleiben würden, denn ein weiteres Bett in meinem 4er-Schlafsaal war schon belegt. Der zugehörige Bewohner war allerdings ausgeflogen, somit konnte ich mich in Ruhe ausbreiten.

Tag 08: Ankunft in Lillehammer Tag 08: Ankunft in Lillehammer Tag 08: Ankunft in Lillehammer

Da ich noch möglichst viel von dem Tageslicht nutzen wollte, habe ich schnell meine Wintersachen zusammengesammelt und bin in Richtung Innenstadt losgezogen. Diese liegt unweit vom Bahnhof und ist durch ihre Vielzahl an bunten Holzhäusern durchaus sehenswert. Ich hielt mich aber nicht lange auf, denn heute wollte heute raus in die Natur und vor allem – den Schnee.

Tag 08: Stadtrundgang in Lillehammer Tag 08: Stadtrundgang in Lillehammer Tag 08: Stadtrundgang in Lillehammer Tag 08: Stadtrundgang in Lillehammer Tag 08: Stadtrundgang in Lillehammer

Also macht ich mich auf in Richtung ehemaliges Olympiagelände (für die Sportbanausen: Lillehammer war Gastgeber der Olympischen Winterspiele 1994, welche bis heute als die stimmungsvollsten der Geschichte gelten). Nachdem ich die letzten Wohnsiedlungen hinter mich gelassen hatte, lagen die beiden imposanten Lysgårds-Skisprungschanzen direkt vor mir, welche sich harmonisch in den Hang einfügen. Über Feld und Wiesen bin ich dann an den Fuß der Schanzen marschiert. Dort konnte man das (natürlich mittlerweile erloschene) olympische Feuer bestaunen und einen schönen Blick auf die Stadt und den Mjøsa-See erhaschen. Das Stadium rund um dem Schanzenauslauf diente damals auch als Ort für die Eröffnungs- und Schlussfeier der Spiele und ist entsprechend groß dimensioniert.

Tag 08: Auf zur Skisprungschanze Tag 08: Auf zur Skisprungschanze  Tag 08: Auf zur Skisprungschanze Tag 08: Auf zur Skisprungschanze Tag 08: Auf zur Skisprungschanze Tag 08: Auf zur Skisprungschanze Tag 08: Auf zur Skisprungschanze

Ich ließ es mir natürlich nicht nehmen, nach Falun auch diese Schanze zu besteigen. Sage und schreibe 936 Metallstufen brachten mich schließlich bis oberhalb des Sprungturmes. Wäre das Wetter nicht so trüb, hätte man von hier oben tolle Fotos von Lillehammer und Umgebung machen können. Aber heute war Schneefall angesagt und das hatte definitiv sein Gutes: Hier oben war nämlich das reinste Winterparadies mit Neuschnee satt!

Tag 08: Aufstieg zum Absprunghügel

Tag 08: Aufstieg zum Absprunghügel Tag 08: Aufstieg zum Absprunghügel Tag 08: Aufstieg zum Absprunghügel Tag 08: Aufstieg zum Absprunghügel Tag 08: Aufstieg zum Absprunghügel

Die herrliche Winterstimmung wollte ich natürlich noch ein wenig genießen und habe daher einen ausgiebigen Gang durch die tiefverschneiten Wälder gemacht. Auf den meisten Wegen waren Langlauf-Loipen gespurt und da ich diese nicht zerstören, sowie nicht mit den Läufern kollidierten wollte, hielt ich mich möglichst dicht am Rand. Dabei versank ich allerdings mehrmals etwa knietief im Schnee, da dieser dort nicht so fest von den Pistenraupen planiert worden war wie mitten auf der Strecke. Unterwegs kam ich an dem Birkebeineren Ski Stadium vorbei, bei dem 1994 die Biathlon-Wettbewerbe ausgetragen wurden. Die Anlage ist auch heute noch in Betrieb, zuletzt bei den Jugend-Winterspielen 2016, wie diversen noch vorhandenen Plakaten zu entnehmen war.

Tag 08: Winterspaziergang Tag 08: Winterspaziergang Tag 08: Winterspaziergang Tag 08: Winterspaziergang Tag 08: Winterspaziergang Tag 08: Winterspaziergang Tag 08: Winterspaziergang Tag 08: Winterspaziergang Tag 08: Winterspaziergang Tag 08: Winterspaziergang

Langsam setzte die Dämmerung ein und ich hatte wenig Lust, mich hier oben im Dunkeln zu verlaufen. Also wagte ich langsam den Abstieg und kam dabei wieder an den – mittlerweile erleuchteten – Skisprungschanzen vorbei. In der Innenstadt angekommen setzte ich mich ins nächste Café und trank das erste mal seit über einer Woche einen halbwegs vernünftigen Kaffee. Leider werden in Norwegen spätestens um 18 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt, somit war meine Verweildauer dort nur kurz. Ich ging dann in den nächsten Kiwi-Supermarkt (norwegisches Pendent zu Aldi) und kaufte für das Abendessen ein. Heute wollte ich mal wieder die Gästeküche nutzen und etwas Einfaches kochen. Es gab schließlich Nudeln mit Pesto und dazu Salat. Jetzt sitze ich hier satt und zufrieden nach diesem tollen Wintertag und lasse beim „guten“ Ringnes Lettøl den Abend ausklingen. Damit verabschiede ich mich für heute und sage: Tschüss und bis morgen, dann melde ich mich aus Oslo!

Tag 08: Winterspaziergang Tag 08: Winterspaziergang
Tag 08: Abendessen

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